Das dicke Ende kommt auf der Überholspur

Die Mobilität und damit die Autobranche ist nicht das erste Mal Thema in diesem Blog. Und in den letzten Monaten zeichnet sich immer mehr ab, dass wir wohl bald noch öfter aus dem Bereich berichten werden. Würde ich heute eine Entscheidung treffen müssen, welche Branche die nächste globale Krise verursachen wird, dann wäre meine Entscheidung klar, es dürfte die Automobilindustrie werden.

Warnzeichen gibt es bereits genug. So kam erst vor ein paar Tagen die neue Rekordzahl an Carsharing-Kunden in die Presse. Aktuell sind 1,7 Millionen Bundesbürger bereits registrierte Nutzer und das Wachstum ist rasant. Da Carsharing den effektiven Nutzungsgrad eines Fahrzeugs deutlich erhöht, werden gerade am Anfang dieser Entwicklung nach dem Überschreiten eines kritischen Punktes die Absätze der Autobauer belastet werden. Außerdem ergibt sich für Carsharing Projekte gerade am Anfang der Entwicklung ein Automobilbedarf, der vor allem im robusten Kleinwagensegment zu finden sein dürfte. Die aktuelle Produktentwicklung der Autobauer spiegelt diesen Trend noch nicht wirklich, denn hier und heute werden die großen Umsätze wohl eher im Mittelklassewagensegment gemacht. Und genau hier entsteht auch das Problem.

Aktuell gibt es nur noch wenige Autokäufe die mal eben bar erledigt werden. Die meisten Käufe kommen wohl eher kreditfinanziert daher und werden oftmals sogar mit Rücknahmepflicht seitens des Autobauers zu einem festen Termin und zu einem festen Preis abgeschlossen. Sollte sich also durch das Carsharing die Nachfrage im Mittelklassesegment auf dem Gebrauchtwagenmarkt reduzieren, haben die Autobauer gleich doppelte Probleme. Auf der einen Seite werden die aktuellen Margenbringer aus der Produktpalette im Absatz schwächeln und so die Gewinne belasten. Auf der anderen Seite werden die Gebrauchtwagenhalden, die schon heute existent sind, nochmals deutlich wachsen und die zugesicherten Preise für die Autorückkäufe dürften damit ein Stolperstein werden.

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6 Gedanken zu “Das dicke Ende kommt auf der Überholspur

  1. Eine Frage zum Car Sharing:

    Bei einem gekauften Auto ist die jährliche Nutzung im Durchschnitt gering, vermutlich liegt sie im Jahr zwischen 10 – 15 k km. Beim Car Sharing würde ich eine höhere Laufleistung pro Jahr unterstellen, da das Auto von mehreren genutzt wird.

    Führt der Wechsel vom Kauf eines Autos auf Car Sharing nun zu einer gleich großen Nachfrage nach Autos (ggf. andere Modelle) oder sinkt die Nachfrage nach Autos, weil beim Car Sharing intensiver genutzt werden? Oder anders formuliert: Wird das Car Sharing Auto schneller zu Schrott oder sind gekauftes Auto und Car Sharing Auto gleich lang einsatzbereit?

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    • Die Frage ist absolut berechtigt, daher meinte ich:

      „werden gerade am Anfang dieser Entwicklung“

      Denn: Am Ende wird ein Auto vom stehen auch nicht besserm daher kann es schon sein, dass Carsharing Kisten mehr Kilometer schaffen, aber im Prinzip wird es nicht zu einer deutlichen Abnahme der Kilometerleistung führen, nur weil nun Carsharing betrieben wird. Nein nein, das nicht. Aber es wird am Anfang eben zu Absatzeinbußen führen, die sich im Laufe der Zeit stabilisieren werden.

      Was sich aber verändern wird: Die Art der Autos die abgesetzt werden. Ich denke, es wird mehr Fokus auf kleine robuste gelegt, als auf Status Autos aus der Mittelklasse.

      Keinen spürbaren Einfluss erwarte ich allerdings auf die „Oberliga“. Ein Porsche will ich besitzen und nicht mit 100 anderen Leuten teilen…

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  2. Interessanter Gedankengang. Obwohl ich für de Automobilbereich ebenfalls mit Gegenwinden rechne, glaube ich bis jetzt jedoch nicht, dass der Einfluss des Carsharings die Nachfrage deutlich reduzieren kann. Dafür ist das Carsharing zu sehr auf Ballungsgebiete fokussiert und das hat auch einen Grund. Es ist betriebswirtschaftlich einfach nicht tragbar, da die Nachfrage nach Carsharing in ländlichen Gebieten einfach nicht da ist. Zudem kommt noch, dass gerade in den Ballungsgebieten das öffentliche Verkehrsnetz in der Regel sehr gut ausgebaut ist, was das Wachstum der Betreiber zusätzlich bremst. Carsharing auf landesweiter Basis könnte es schon sein, aber wie gesagt, ist zumindest aktuell noch wirtschaftlich nicht tragbar. Da müsstem die Preise schon enorm fallen, um die Nachfrage anzuheizen.

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  3. Hallo Zusammen,
    ich denke das Carsharing wird nicht DAS große Problem der Zukunft im Automobilsektor sein wird, sondern eher die Frage des Antriebskonzeptes.
    Das Problem am Carsharing in Deutschland zZ ist: es wird kein Geld verdient. Weder drivenow(BMW) noch carstogo(MB) verdienen damit Geld(Quelle: FAZ Artikel, müsste ich suchen bB).
    Wie oben beschrieben funtioniert carsharing super in Ballungsräumen, ich nutze es selbst in Berlin. Aber das funtioniert schon ausserhalb des SBahn-Ringes nicht mehr.
    Im Übrigen wird in der Autoindustrie das Geld in der Oberklasse verdient.
    Zustimmend muss man jedoch sagen: es wird sich mittelfristig in diesem Segment einiges ändern, soviel steht fest!

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