Etwas ist faul im Staate Dänemark!

Jeder Bürger, ob nun in einem Land Europas, der USA oder sonst wo auf der Welt, merkt das etwas nicht stimmt mit dem gesamten Finanzsystem und der darauf basierenden Wirtschaft. Die eine Seite verdient relativ gesehen weniger, während die andere Seite immer mehr Besitz anhäuft. Diese Besitzanhäufung hat mittlerweile Maße angenommen, die den sozialen Frieden bedroht.

Solche Phasen hat es schon weit vor Christus gegeben und manifestierten sich oft im Anstieg der Schuldsklaverei. Wer seine Schulden nicht mehr zahlen konnte, wurde zu einem unfreien Sklaven und konnte sogar in alle Welt hinaus verkauft werden.

Ein erstes Beispiel von einem durch Ungleichheit hervorgerufenen sozialen Unfrieden lässt sich in der Geschichte Athens finden.

Gehen wir hier in der Zeit zurück und schauen uns einmal an, was dort passiert ist. Die Forschung streitet zwar über den genauen Zeitpunkt der Reformen des Solons, doch ich denke, dass es uns egal sein kann, ob diese nun 594 / 593 v. Chr. oder erst 570 v. Chr. Stattfanden.

Zu der Zeit herrschte eine Verschuldungskrise in Athen, deren Opfer die Hektemorier (Kleinbauern) waren. Diese wurden durch Wucher immer weiter abgerissen und jeder dieser Kleinbauern musste fürchten, dass er in der Schuldsklaverei endet. Dies alles geschah der Überlieferung zufolge durch adlige Großgrundbesitzer, die ein sechstel der Ernte der Kleinbauern als Schuldentilgung verlangten.

Auch die Münzprägung lag in den Händen der adligen Großgrundbesitzer, was sie in die Position brachte Zahlungsmittel zu erschaffen, die sie dann zu einem höheren Preis als den Herstellungspreis verliehen (something for nothing).  So schafften sie nicht nur einen Zugewinn durch Zinsen auf die vergebenen Darlehen sondern auch durch die Prägung von Münzen. Solon wurde in dieser Zeit als Schlichter berufen und setzte unter anderem die Lastenabschüttlung (Seisachtheia) durch. Dabei wurde den Schuldnern gepfändetes Land zurückerstattet wie auch die Schuldsklaven befreit, selbst wenn sie schon nach außerhalb Athens verkauft worden waren. Zusätzlich dazu wurden die Preise der Agrarrohstoffe festgeschrieben, da die Schulden durch diese Rohstoffe getilgt wurden. Zu guter Letzt begab er reichlich schuldenfreies Münzgeld aus Staatshand, der Staat übernahm die Münzprägung. Diese Reformen scheinen erfolgreich verlaufen zu sein, da einige Jahrzehnte darauf das römische Volk eine Gesandtschaft nach Athen und in andere griechische Städte schickte, um die Gesetze Solons zu kopieren und diese schließlich nach Rom zu bringen. Denn auch in Rom herrschte zu der Zeit eine große soziale Unruhe. Die Gesetze sind bekannt als Zwölftafelgesetz.

Wir sehen hier, unsere heutigen Probleme sind nicht neu, sondern recht alt und schon in der Antike vorhanden. In Athen kam es aufgrund der privaten Geldschöpfung zu einer extremen Anhäufung von Besitz in wenigen Händen, während der Rest des Volkes in der Angst leben musste, wirtschaftlich zu verenden und am Ende selbst zu einem wirtschaftlichen Subjekt degradiert zu werden, das sogar hin und her verkauft werden konnte. Nach den Reformen Solons befassten sich noch viele andere mit den Problemen der Geldschöpfung. Aristoteles sagt dazu sinngemäß, „Geld ist nicht Natur gegeben, sondern existiert durch Gesetz“, was impliziert, dass die Geldschöpfung beim Staat liegt und der innere Wert des Zahlungsmittel nicht dem durch Gesetz definierten Wert entsprechen muss.

Springen wir nun einmal Richtung Neuzeit, denn bis dahin war es üblich, dass das Privileg der Geldschöpfung beim Souverän oder der Kirche lag. Im Jahr 1666 kam es zu dem English Free Coinage Act, der dieses Privileg in private Hände übergab. Im Jahr 1694 wurde dann auch die Bank of England gegründet. Alexander Del Mar wies 1895 nach, dass der Free Coinage Act zu verschiedenen Paniken und Krisen führte, die in dieser Form zuvor unbekannt waren. Zwischen den Jahren 1694 bis 1890 kam es zu verschiedenen Finanzkrisen, die nie weiter als 25 Jahre auseinander lagen. Bei einer Untersuchung der vorherigen Zeit kam G. B. Shaw zu dem Ergebnis, dass in der Englischen Geschichte der Souverän immer verantwortungsvoll mit der Geldschöpfung umgegangen ist und es nur ein negatives Beispiel gab. Diese Negativbeispiel war Henry VIII.

In den Zeiten der Aufklärung wurde die Natur des Geldes und sein Ursprung auch von anderen bekannteren Charakteren diskutiert. David Ricardo schrieb z.B. in seinem Essay „Proposals for an economical and secure currency“ über diese Zusammenhänge und sprach sich für eine starke Kontrolle der Geldschöpfung durch den Staat aus und dass dieser die ausgegebenen Noten garantieren muss, um den Bürger vor Panik zu schützen. Die starke Kontrolle und die Garantie sprechen dafür, dass auch hier der Staat, der Souverän, die alleinige Macht zur Geldschöpfung inne hat. Auch Jon Locke äußerte sich ähnlich zu dieser Thematik. Geld entsteht durch Common und Civil Law und beruht nicht auf seinem inneren Wert. Ob das Zahlungsmittel nun aus Metall besteht oder aus Papier ist egal, denn Geld entsteht durch Gesetz.

Gehen wir nun auf ein Kapitel der Deutschen Geschichte ein. Dazu schreiben Jaromir Benes und Michael Kumhof im Diskussionspapier „The Chicago Plan Revisited“ folgendes:

Finally, a brief word on a favorite example of advocates of private control over money issuance, the German hyperinflation of 1923, which was supposedly caused by excessive government money printing. The Reichsbank president at the time, Hjalmar Schacht, put the record straight on the real causes of that episode in Schacht (1967). Specifically, in May 1922 the Allies insisted on granting total private control over the Reichsbank. This private institution then allowed private banks to issue massive amounts of currency, until half the money in circulation was private bank money that the Reichsbank readily exchanged for Reichsmarks on demand. The private Reichsbank also enabled speculators to short-sell the currency, which was already under severe pressure due to the transfer problem of the reparations payments pointed out by Keynes (1929).21 It did so by granting lavish Reichsmark loans to speculators on demand, which they could exchange for foreign currency when forward sales of Reichsmarks matured. When Schacht was appointed, in late 1923, he stopped converting private monies to Reichsmark on demand, he stopped granting Reichsmark loans on demand, and furthermore he made the new Rentenmark non-convertible against foreign currencies. The result was that speculators were crushed and the hyperinflation was stopped. Further support for the currency came from the Dawes plan that significantly reduced unrealistically high reparations payments. This episode can therefore clearly not be blamed on excessive money printing by a government-run central bank, but rather on a combination of excessive reparations claims and of massive money creation by private speculators, aided and abetted by a private central bank.

Insgesamt kommt die Vermutung auf, dass weder die Art des Geldes und der innere Wert dessen, noch die staatliche Geldschöpfung das Problem und der Ursprung der Finanzkrisen in den vergangenen Jahrhunderten war, sondern die Private. Ob es nun die Antike betrifft, Byzanz, England ab 1694 oder halt die Deutsche Hyperinflation 1923, es war anscheinend immer die Private, die die Probleme durch zunehmende Gier erschuf.

Quellen:

IMF

David Ricardo Proposals for an economical and secure currency

John Locke Über die Regierung

Wikipedia

 

Teil 2 hier

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4 Gedanken zu “Etwas ist faul im Staate Dänemark!

  1. Ja, jeder spürt es. Aber den meisten Menschen ist nicht klar wo das Problem entsteht…

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    • leider … naja nach der reihe verstehen vielleicht ein paar mehr … ist ja im Prinzip nur der anfang … als naechstes kommt der Chicago plan und monetary Reform der islaender aufn tisch … dauert aber noch a bisserl

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