Anlei – hä? In der Tiefe

Es geht weiter.

Als erstes nehmen wir uns die Bewertung einer Anleihe vor.

Für die Bewertung einer Anleihe sind folgende Punkte entscheidend: Geldmarktzinssatz p.a., der Nominalwert, der Coupon und der Bewertungstag sowie die Anleihe bzw. deren Restlaufzeit selbst.

Haben wir eine Bundesanleihe mit einer Restlaufzeit von genau einem Jahr, einem Nominalwert 100, einen Coupon in Höhe von 2,5% und einen Geldmarktzinssatz p.a. In Höhe von -0,332 ergibt sich folgende Berechnung.

Barwert = (Nominalwert + Coupon)/(1+(Geldmarktzinssatz/100))

Barwert = (100+2,5)/(1+(-0,332/100)) = 102,84

Läuft die Anleihe noch n Jahre sieht die Formel wie folgt aus.

Barwert = Coupon 1 / (1+Geldmarktzinssatz/100)^1 +…+ ((Nominalwert + Coupon) /(1+Geldmarktzinssatz/100)^n)

Steigt der Geldmarktzinssatz p.a. auf 3% so verändert sich der Barwert auf 99,51%. Wir sehen das die Zinsen den Barwert invers beeinflussen. Steigen die Zinsen, so sinkt der Barwert einer Anleihe, im Gegensatz dazu steigt der Barwert, wenn die Zinsen fallen.

Dieses Kursrisiko kann man mithilfe der Modifizierten Duration berechnen. Die Daten die zur Berechnung herangezogen werden, sind die Macaulay Duration, der Bewertungstag, die Eigenschaften der Anleihe, der Zinssatz p.a., der Barwert der Anleihe und die Restlaufzeit des ersten Coupons.

Wir sehen, dass wir zuerst die Macaulay Duration berechnen müssen. Bevor es nun zu der Berechnung kommt, muss kurz noch gesagt werden, was die Macaulay Duration überhaupt darstellt. Zuvor stellten wir ja schon das inverse Verhältnis von Zinsen zu dem Barwert einer Anleihe fest.

Steigen die Zinsen so sinkt der Barwert der Anleihe, doch die Wiederanlage der erhaltenen Zinsen wird dadurch profitabler, da die Anleihe weniger kostet. Die Duration zeigt an in wie vielen Jahren sich beide Effekte gegeneinander aufwiegen. Schauen wir uns nun eine Anleihe als Beispiel zur Berechnung der Duration an, die heute ihren Zinstermin und genau 2 Jahre Restlaufzeit hat.

Bewertungstag 08.04.16

Anleihe 2,5% Bundesanleihe, fällig am 08.04.18

Zinsatz p.a. 0,25%

Restlaufzeit des ersten Coupons 365 Tage

Barwert der Anleihe 104,99

Macaulay Duration = ((Coupon 1 / (1 + Zinssatz p.a.)^1) * 1 +((Nominalwert + Coupon2)/(1 + Zinssatz p.a.)^2)*2) / Barwert

Macaulay Duration = ((2,5 / (1+(0,25/100))*1 + (102,5/(1 + (0,25/100)^2)*2)/104,99 = 1,94

Die Modifizierte Duration zeigt die Prozentuale Wertänderung einer Anleihe an, sollte sich der Zinssatz um eine Einheit (1%) verändern.

Modifizierte Duration = -(Duration/1+Rendite)

Modifizierte Duration = -(1,94/1+0,0025) = -0,94

Wenn sich der Zinssatz um eine Einheit verändert, so verändert sich der Barwert der Anleihe um 0,94%. Hierbei ist zu beachten, dass die Restlaufzeit eine entscheidende Rolle spielt. Je länger die Restlaufzeit ist, desto höher ist auch die Macaulay Duration und die Modifizierte Duration.

Anders gesagt, das Kursrisiko einer Anleihe ist um so Höher, je weiter der Rückzahlungszeitpunkt in der Zukunft liegt. Eine Kurzlaufende Anleihe hat ein wesentlich geringeres Kursrisiko, als eine Langlaufende Anleihe.

An dieser Stelle sei noch angemerkt, dass die Modifizierte Duration nicht genau das Risiko darstellt. Sie ist eher als Orientierung zu verstehen, da sie linear berechnet wird und damit die Realität nicht voll und ganz widerspiegelt. Der Zusammenhang von Preis und Rendite verhält sich in der Praxis konvex, damit kann es passieren das man das Risiko über- oder unterschätzt.

Wie setze ich Anleihen praktisch ein?

An diesem Punkt möchte ich doch gern auf einen Artikel aus dem vergangenen Jahr zurückgreifen, da in diesem das jetzige Einsatzgebiet von Anleihen gut erklärt ist. Die liebe Sicherheit.

Anleihen, reale negative Verzinsung und es ist uns egal!

Anleihen werden auch in den nächsten Jahren kaum Zinsen abwerfen. Doch es ist auch nicht das Ziel in diesem Falle Rendite zu erhalten, vielmehr steht die Sicherheit im Vordergrund. Die Sicherheit in der Zeit, in der die „Kanonen“ donnern agieren zu können. Aber nicht jede Anleihe eignet sich dafür. Grundsätzlich ist es nicht Sinnvoll langlaufende Anleihen zu kaufen, da diese ein hohes Kursrisiko aufweisen. Wir suchen also Staatsanleihen die durch ihre Eigenschaften eine Ähnlichkeit haben wie Cash Bestände.

Staatsanleihen die über eine lange Laufzeit verfügen, beinhalten mittlerweile ein immenses Risiko, sollten sich die Zinsen wieder Richtung alter Normalität bewegen. Die Fondsmanager im Bereich der Anleihen kennen seit mehr als 30 Jahren nur einen Bullenmarkt. Dieser Umstand wird in diesem Sektor zu manch einer extrem gehebelten Position geführt haben, um nur ein wenig mehr Rendite herauszuschlagen, ohne das Risiko, dass dem Markt entspringt, entsprechend zu würdigen. Sollte der Markt allgemein anfangen zu korrigieren aufgrund einer Zinswende könnte dieses zu extremen Überraschungen führen bei den verantwortlichen Managern.

Unbedingt zu meiden sind Anleihen von den Emerging Markets, wie auch die High Yield Corporated Bonds. Nicht nur aufgrund eines erhöhten Ausfallrisikos sind sie zu meiden, nein, das Risiko hier liegt zum einen im aktuellen Preis Niveau und zum anderen in der mangelnden Liquidität. Die Royal Bank of Scotland berichtete im November 2014, dass im Bereich der Unternehmensanleihen eine Abnahme der Handelbarkeit von über 70% eingetreten ist. Dazu gesellt sich noch das Risiko, dass durch eine schwache Währung entsteht im Fall der Emerging Markets Bonds.

Im Bereich langlaufenden Anleihen im allgemeinen und der High Yield Bonds jeglicher Laufzeit im speziellen, herrscht eine negative Asymmetrie, wir bekommen vielleicht 2 bis 4% im Jahr als Zinsen, doch riskieren wir im Kurs einen Verlust von 30% und mehr, sollte es zu einer neuen Risiko Einschätzung der Marktteilnehmer kommen. Wenn diese dann verkaufen wollen oder sogar müssen wird der Kurs der High Yield Bonds stark unter druck geraten. So was kann in einem illiquiden Markt dramatische Züge annehmen, wie man zuletzt im EUR/CHF beobachten konnte.

Rendite ist manchmal nicht alles, sondern die Sicherheit einer kurz laufenden amerikanischen oder deutschen Staatsanleihe steht im Vordergrund, denn so sind wir, gegen eine nach dem Zypern Szenario gestaltete kalte Enteignung immun. Und trotzdem haben wir eine fast Cash gleiche Anlageform. Wer in einer Krise weniger verliert als der Rest, hat anschließend eine große Chance mehr zu gewinnen. Auch hier gilt es jedoch die Anlagen über mehrere Länder zu verteilen und nicht das gesamte Vermögen in diesen Bereich zu stecken.

Neben der gebotenen Sicherheit bei Kurzlaufenden Staatsanleihen, kann man mit Anleihen auch auf Wechselkursänderungen spekulieren. Wie ich es in einigen Artikel im vergangenen Jahr schon mal angesprochen habe.

Zusammenfassend kann man sagen, das Staatsanleihen und Anleihen von Supranationalen Institutionen, wie der International Finance Corporation, gekauft werden, aufgrund der gebotenen Sicherheit. Ziel ist es nicht die Rendite zu maximieren, sondern das Risiko zu minimieren. Das ist auch der Grund warum man Kurzlaufende Anleihen gegenüber Langlaufenden bevorzugen sollte, da bei den Kurzläufern das Kursrisiko wesentlich geringer ausfällt.

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