Der Nokia Moment

Wer konnte das ahnen? Ich denke kaum einer hat einen solchen Ansturm auf das Model 3 von Tesla erwartet. Jedem war bewusst, dass ein hohes Interesse vorliegt, doch ein solch hohes hat doch die Erwartungen hinweggefegt. Mittlerweile liegen über 250k Vorbestellungen für das Model 3 vor, was schon das Zweieinhalbfache von dem ist, was Analysten für die ersten zwei Wochen erwartet haben.

Damit ist Tesla zu einer wertvollen und bindenden Marke emporgestiegen, deren Kunden eine Loyalität gegenüber dem Unternehmen zeigen, von dem andere Marktteilnehmer nur zu träumen wagen. Diese Kundenbindung erinnert sehr an die der „Apple Jünger“.

Auf dem US Markt ist Tesla schon führend im High End Luxus Bereich. Im vergangenen Jahr wurden 26202 Model S in den USA verkauft. Mercedes verkaufte im selben Zeitraum 21934 S Klasse Fahrzeuge, BMW 9292 7er Modelle, usw.. Damit steht in dem Marktsegment Tesla schon an der Spitze und man kann zurecht sagen, dass sie den Markt erobert haben und nicht mehr nur eine Randerscheinung darstellen. Im Low End Luxus Bereich liegt bisher die 3er Serie von BMW vorn mit 140609 verkauften Fahrzeugen. Wir sehen auch hier ist Tesla noch vor dem Auslieferungstermin, der in 18 Monaten ist, an BMW vorbeigeschossen. Man möchte meinen die Konkurrenz sieht nur noch die Rücklichter.

Mitte März kamen einige Analysten von einer Besichtigungstour bei Tesla zurück und ließen verlautbaren, dass die Batteriekosten nur bei der Hälfte des Industriedurchschnitts liegen. Dabei ist aber zu beachten, dass es keine genauen Daten der Branche gibt und es sich hierbei um Schätzungen handelt. Trotzdem bedeutet es, dass das Unternehmen eine höhere Gewinnmarge einfahren kann, als die Konkurrenz. Auch die restliche Kostenstruktur von Tesla sieht besser aus, als bei den alten Traditionsunternehmen.

Tesla hat sich einen Kundenstamm aufgebaut, der noch bevor er überhaupt einen Tesla gefahren hat, dem Unternehmen treu verbunden ist. Deshalb sind diese Kunden auch bereit, dem Unternehmen die Produktion durch eine Vorbestellung und die damit einhergehende Anzahlung zu finanzieren. Dieses Prinzip kennt man auch schon von vielen Kickstarter Kampagnen, jedoch nicht von den großen etablierten Playern der Branche.

Insgesamt kann man sagen, dass hier etwas geschieht, was an den Siegeszug des iPhones erinnert. Das ist der Nokia Moment für die Autobranche, denn die Kunden die sich für Tesla entschieden haben stehen dem Rest der Industrie als Kunde nicht mehr zur Verfügung, denn diese Art von Kunden zurückzugewinnen ist fast unmöglich.

Dadurch das Tesla nicht ein reiner Autokonzern ist, sondern viel mehr ein Tech Unternehmen, muss man sich darauf gefasst machen, dass deren Fahrzeuge, ein Einstieg in eine große Plattform von Service Leistungen jeglicher Art sein werden. Die Auswirkungen von Plattformen sieht man zu genüge an dem Beispiel Amazon oder auch Facebook. Es entstehen sich selbstverstärkende Effekte. Mehr Kunden ziehen mehr Anbieter an und die wiederum mehr Kunden, denn man bedenke eines, das Auto ist nur ein riesiges Mobile Device und dementsprechend wichtig ist es Content bereitzustellen.

Meiner Meinung nach wird diese aktuelle Entwicklung die Branche stärker durcheinander wirbeln, als alle vorherigen Ereignisse. Eine Art Massensterben der Dinosaurier wird einsetzen und dafür neue Spieler den Markt betreten. Bestimmt werden auch einige der Saurier in irgendeiner Form überleben oder Teile von ihnen, doch die Änderungen werden gravierend sein und die Branche vollends verändern.

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2 Gedanken zu “Der Nokia Moment

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