Bankenkrise 2.0? Ein Gedanken Experiment

Vor Wochen begann es sich abzuzeichnen, dass sich ein Sturm zusammenbraut, den es so seit der Pleite von Lehman nicht mehr gegeben hat. Die Aktienmärkte sind seit geraumer Zeit am fallen, der High Yield Markt sendet schon seit mehr als 10 Monaten SOS Signale und nun steigen die Preise für Credit Default Swaps, die auf die großen europäischen Banken lauten, in einem rasanten Tempo an.

CDS sind Kreditausfallversicherungen, die einspringen, sollte der Kreditnehmer zahlungsunfähig werden. Die zu zahlende Prämie dieser Versicherungen stieg seit Anfang des Jahres zunehmend an, was kein besonders gutes Zeichen ist in Bezug auf die Gesundheit des europäischen Bankensektors. Besonders betroffen von diesem Misstrauen ist die Deutsche Bank, deren CDS nun bei 191 Punkten stehen.

Hier fängt nun das Gedankenexperiment an.

Was passiert, sollte eine der großen europäischen Banken zu stark in Bedrängnis geraten und eine Rettung abermals alternativlos sein?

Eine weitere Rettungsrunde wie im Jahr 2008 und folgende ist nicht mehr möglich. Zum einen fehlt den Staaten mittlerweile die finanzielle Kraft, zum anderen wurde das EU Recht dahingehend geändert, das in einem solchen Fall zuerst die Kreditgeber haften. Die Kreditgeber sind Anleihe Gläubiger und besonders die Kunden der jeweiligen Bank, die als erstes haften. Dabei gibt es eine Rangfolge in welcher die Gläubiger auf einen Teil oder sogar ganz auf ihre Forderungen zu verzichten haben. Dieses Verfahren funktioniert zwar ganz gut bei kleineren weniger vernetzten Banken, doch bezweifle ich sehr, dass dieses Vorgehen bei einer Bank von der Größe der Credit Suisse oder aber der Deutschen Bank möglich wäre, die ja als Systemrelevant eingestuft sind. Gerade weil diese Banken Systemrelevant sind und sehr untereinander vernetzt sind würde ein solcher „Bail out“ schnell zu noch mehr Panik führen und ist somit praktisch nicht gangbar.

Alternativ dazu wäre eine komplette Verstaatlichung des Sektors und die anschließende Abwicklung. Doch ein solcher Schritt schafft neue weltweite Probleme. Es würde zu einer sofortigen weltweiten Destabilisierung der Branche führen, sollten nicht alle Länder der Welt hier an einem Strang ziehen und einen solchen Schritt zeitgleich durchführen. Eine solche Einigkeit weltweit ist sehr unwahrscheinlich und damit endet auch dieses Szenario als praktisch nicht durchführbar.

Würden vielleicht weitere Maßnahmen des Quantitative Easing eine Rettung bedeuten? Wenn das QE nur auf Anleihen abzielt ist in der jetzigen Situation nutzlos, denn die Anleihen sind Schuldverhältnisse, die irgendwann wieder zurückgeführt werden müssen. Was bleibt einer Zentralbank noch an Handlungsspielraum über, wenn Anleihe Kaufprogramme nicht die gewünschte Wirkung entfalten und auch der Kauf von Aktien bisher nichts gebracht hat?

Es wäre möglich, dass die Zentralbanken anfangen Gold und Silber zu einem überhöhten Preis zu kaufen, so wie sie es bisher mit den Staatsanleihen getätigt wurde. Hierbei würde es sich um eine Neubewertung von Gold und Silber handeln, was einige Vorteile mit sich bringen würde. Es wäre wie Gelddrucken ohne neue Schuldverhältnisse zu schaffen, doch darüber hinaus bedeutet es noch ein wenig mehr.

Der direkte Ankauf von Silber und Gold würde die Minenindustrie sofort stützen und damit Arbeitsplätze sichern, wenn nicht sogar schaffen. Ein zusätzlicher Nebeneffekt entstünde für die Ölindustrie, was dieser ein wenig Zeit verschaffen könnte. Ein steigender Silberpreis würde die Solarenergie verteuern und damit die Konkurrenzfähigkeit zu Fossilen Rohstoffen verringern. Ein weiterer wichtiger Punkt ist auch, das durch ein solches QE Programm die Geldmenge wieder wachsen würde und so die Inflation zurückkehren kann. Doch in meinen Augen ist der gewichtigste Punkt, dass die Staaten, damit ihre Schuldenlast loswürden, denn wenn der Gold Vorrat am Ende mehr Wert ist, als der Schuldenberg, dann ist die Verschuldung und Überschuldung der Staaten passe und ein neuer Investitionszyklus kann starten.

Doch wie sollte dieses den Banken helfen? Sie können einfach durch den Besitz von Edelmetallbeständen im hohen Maße von einem solchen QE profitieren und es erginge ihnen so wie den Staaten. Dazu passt, dass sich seit Mitte letzten Jahres Gerüchte halten, das JP Morgan Chase mittlerweile eine riesige Menge an Silber gehortet hat, dieses tut JP Morgan nicht ohne Grund. Entweder sie kauften es selbst auf eigene Rechnung, weil sie auf ein Edelmetall QE spekulieren oder aber sie sind hier als Agent einer Zentralbank unterwegs und bereiten ein solches Programm vor.

Zusammenfassend kann man sagen das ein QE Programm, dass auf den Ankauf von Edelmetallen abzielt, einige Probleme mit einem Streich aus der Welt schaffen würde. Den Banken wäre geholfen in dem sie nur Edelmetalle besitzen müssen, um an dem QE Programm zu partizipieren, den verschuldeten Staaten ist geholfen, aufgrund der Edelmetallbestände in ihrem Besitz, der Realwirtschaft wird geholfen in Form der Minengesellschaften und der Ölindustrie und die Geldmenge käme wieder ins wachsen. Und das alles ohne neu geschaffene Schuldverhältnisse.

Ein solcher Schritt hin zu einem QE Programm für Edelmetalle erscheint im jetzigen Moment recht unwahrscheinlich, doch sollte die Verzweiflung auf Seiten der Regierungen und Zentralbanken weiter anwachsen, wäre ein solch dramatischer Schritt denkbar. Es ist denkbar, weil es noch einen der einfacheren Schritte darstellt, ohne das ein totaler Reset des Systems durchgeführt wird.

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5 Gedanken zu “Bankenkrise 2.0? Ein Gedanken Experiment

  1. Deutsche Bank CDS 218. Unfassbar wie schnell diese Entwicklung geht. Danke für deinen Text!

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  2. bitte … mehr zu bedenken gibt es seit dem Statement zu ihrer Liquidität …. in den naechsten stunden / tagen Rettung sonst licht aus ….

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  3. undenkbar weiß ich nicht … aber ich verstehe was du meinst, nur werden es die verantwortlichen eliten verstehen ich erinnere nur an lehman

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  4. Pingback: Gold 5000 USD? | zero2one-inside-hps

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