Schöne neue Welt Teil 2 – Das Haar in der Suppe

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Doch wie will der Staat so eine Zusatzleistung am Ende bezahlen? Hier ist das eigentliche Haar in der Suppe. Noch vor 10 Jahren wäre die Antwort auf diese Frage zwar die gleiche gewesen aber eher theoretischer Natur. Heute in Zeiten der allgemeinen Null- oder sogar Minuszinspolitik ist die Antwort nicht mehr ganz so theoretisch.


In damaligen Zeiten wäre so ein Problem über die echte Druckerpresse gelöst worden. Diese war damals (völlig anders als heute) ein echter Druckvorgang. Es wurde Bargeld geschaffen und je mehr man brauchte, desto schneller wurde es gedruckt und desto schneller befand man sich im hyperinflationären Umfeld. In der heutigen Welt nennt man die Vorgänge der EZB zwar immer noch “Geld drucken“. Allerdings unterscheidet sich dieser Vorgang vom damaligen doch deutlich, da das Währungsmonopol heute bei der Notenbank liegt. Heute wird kein Papier bedruckt, sondern Buchgeld geschaffen. Dieses Buchgeld hat allerdings ein Schuldverhältnis, welches bestehen bleibt, völlig im Gegensatz zur der Ausgabe von immer neuen Banknoten damals.

Um bei dem Beispiel Finnland zu bleiben wäre also klar, dass man in dem aktuellen System nicht einfach jedem 800 Euro in bar geben kann, da das aktuelle Geldsystem diesen Zustand nicht zulässt. Da ein Schuldenberg der planbar und unaufhaltsam wächst selbst in unserer Welt keine Option darstellt (in der aktuellen Theorie, geht man ja davon aus, dass sich Staaten theoretisch entschulden können, was zwar im Einzelfall zutreffen mag, aber im großen Stil fern der Realität ist), wäre die Bonität Finnlands sehr schnell in Frage gestellt – völlig unabhängig davon wie man mit wirtschaftlich motivierter Zuwanderung umgehen würde, die durch ein bedingungsloses Grundeinkommen entstehen könnte.

Eine denkbare Alternative für Finnland wäre das Negativzinsumfeld als Finanzierungsquelle anzuzapfen. Immerhin würde man zwar im Schuldverhältnis die Rückzahlung der Schulden sicherstellen müssen (was jederzeit durch neue Schulden wie eh und je machbar wäre), aber die Zinszahlung obliegt an dieser Stelle nicht dem Schuldner, sondern dem Gläubiger. Nur was sollte jemanden dazu bewegen, solche Anleihen zu kaufen?

Da wäre natürlich zu allererst die Notenbank, die selbst kaufen könnte. Im Prinzip kann die Notenbank alle Schulden aufkaufen und müsste dem Staat Zinsen zahlen, solange bis das Negativzinsumfeld beendet würde. Natürlich müsste theoretisch irgendwer die Zeche auch zahlen, an dieser Stelle kommt dann ein Problem auf die Notenbank zu. Auch sie braucht Gewinne für ihr Eigenkapital. Negative Zinsen stellen aber Verluste dar, würden das Eigenkapital früher oder später aufzerren und damit das Ende der Notenbank bedeuten – oder etwa nicht?

Nein nicht zwingend, denn die Notenbank der Zukunft wird wohl eher im Bereich des negativen Eigenkapitals agieren können, auch wenn dieser Umstand heute noch schwer vorstellbar ist (wie der Negativzins vor 10 Jahren). Damit wäre dann die Finanzierbarkeit von solchen Programmen zukünftig jederzeit möglich – auch im System des Geldruckens mit Schuldverhältnis.

Es gibt noch weitere vorstellbare Szenarien. Diese würden in meinen Augen aber mittelfristig das Ende des Privatbankensystems, wie wir es kennen, bedeuten. Daher ist dieses Szenario für mich derzeit eher unwahrscheinlich. Trotzdem kann ein Blick in die Visionen von Silvio Gesell auch heute nützlich sein. John M. Keynes selbst erkannte in Silvio Gesell „einen zu Unrecht übersehenen Propheten“. Dieser Aussage muss man sich anschließen – jedenfalls wenn man mit offenen Augen durch die heutige Welt läuft.

 

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Ein Gedanke zu “Schöne neue Welt Teil 2 – Das Haar in der Suppe

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