Wo bitte ist der Notausgang?

Nachdem Third Avenue Management ihren Focused Credit Fund schließen musste, aufgrund von zu hohen Kapitalabflüssen, musste nun auch Stone Lion aus dem selben Grund einen ihrer Fonds schließen. Damit sind nun zwei Fonds geschlossen, was nichts anderes bedeutet, als dass die investierten Anleger vorerst nicht mehr an ihr Geld kommen werden. Goldman Sachs geht davon aus, dass in naher Zukunft noch mehr Fonds betroffen sein werden, darunter wohl auch sehr prominente.

Schauen wir uns doch den Markt einmal genauer an. Im Jahr 2008 bemaß sich der US Amerikanische High Yield Markt auf 994 Mrd. USD. Im Vergleich dazu ist der HY Markt bis heute auf eine Größe von 1,8 Billionen USD angewachsen und hat sich damit im Wert nahezu verdoppelt.

Seit dem die Zinsen extrem gesunken sind und eine Null Zins Politik betrieben wird, haben sich sehr viele Unternehmen in den USA, aber auch weltweit, extrem Verschuldet, um mit diesem Geld eigene Aktien zurückzukaufen. Doch gehören immer zwei dazu, nämlich derjenige der sich das Geld leiht und derjenige der es verleiht. Die Investoren waren aufgrund der Null Zins Politik verzweifelt auf der Suche nach neuen Fixed Income Quellen und fanden diese im HY Markt. In Zeiten von QE erschienen diese Investments als sicher und alternativlos, dieser Trend ist mittlerweile gebrochen, wie man es auch in den Charts, der jeweiligen HY Indizes und den darauf laufenden ETF´s, mehr als nur deutlich erkennen kann.

In den vergangenen 15 Wochen flossen aus dem High Yield Markt 3,8 Mrd. USD ab, aus dem Emerging Markets Debt Funds 1 Mrd. USD und aus den Bank Loan Funds weitere 500 Mio. USD. Im Vergleich zu der Größe des gesamt Marktes ist dieser Betrag sehr gering doch es reichte aus, um die jetzigen Turbulenzen zu verursachen. In Folge dessen sind die Zinsen für Anleihen mit dem Credit Rating CCC auf 17% Angestiegen, was der höchste Stand seit dem Jahr 2009 ist. Der BofA High Yield Master Index ist auf 8% gestiegen, im Vergleich dazu lag dieser Mitte 2014 bei 4,3%.

Doch zurück zu den Abflüssen, um zu verstehen warum dieser geringe Abfluss eine solche Wirkung hat muss man ein wenig näher hinsehen. Hier einmal am Beispiel des HYG aufgezeigt: Der Fonds hat insgesamt 15,3 Mrd. USD Assets Under Management, das tägliche Durchschnittsvolumen beträgt an den Börsen 750 Mio. USD, doch das gewichtete tägliche Durchschnittsvolumen der in dem Index enthaltenen Anleihen beträgt gerade einmal 3,44 Mio. USD. Am Tag werden ETF Anteile im Wert von 750 Mio. USD gehandelt, doch das gewichtete Durchschnittsvolumen der enthaltenen Anleihen beträgt nur 3,44 Mio. USD. Da kann man nur sagen, das ist doch der Wahnsinn und erklärt ganz gut warum jetzt schon zwei Fonds in dem Bereich schließen mussten.

Dly. Avg. UL. Vol. AUM Avg. Dly. Vol.
HYG 3,44 Mio. USD 15,3 Mrd. USD 750 Mio. USD
JNK 3,63 Mio. USD 11,8 Mrd. USD 406 Mio. USD
LQD 4,73 Mio. USD 24,8 Mrd. USD 385 Mio. USD

Die SEC hatte erst vor kurzem neue Regeln für die Fonds Branche erlassen, deren wichtigster Kern es ist, dass die Fonds in der Lage sein müssen binnen 7 Tagen 85% ihrer Assets liquidieren zu können ohne den Markt dabei zu beeinflussen. Klingt in meinen Ohren irgendwie wie ein massiver Brandbeschleuniger, denn wie wir oben sehen ist das beim besten Willen nicht möglich, sodass im Prinzip diese ganzen Assets von den Fonds abgestoßen werden müssen, um der Regel zu entsprechen. Das ganze wirkt dann als eine positive Rückkopplung und wird damit zu dem besagten Brandbeschleuniger. Wir sehen, ein Ausstieg im Guten ist nicht möglich, somit sitzen hier 1,8 Billionen USD an Anleger Geldern in der Falle, die keine Chance haben werden, aus diesem Karussell, auszusteigen.

Man sieht sehr gut, dass hier einiges im Argen liegt und die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass noch so einige High Yield Funds und auch Corporate Investment Grade Funds geschlossen werden müssen und damit über eine lange Zeit das darin enthaltene Kapital der Anleger eingefroren sein wird. Man erinnere sich nur an das Desaster bei den Offenen Immobilien Fonds in Deutschland, denen das gleiche Schicksal schon vor Jahren zuteil wurde.

Nachdem die Primary Dealer und Market Maker in dem Bereich ihre Bestände reduziert, ganz abgebaut oder sogar Netto Short Positionen aufgebaut haben, ist der Notausgang für den Rest der Herde versperrt. Die Preiskapriolen werden in naher Zukunft eher zunehmen und insgesamt die Volatilität an allen Märkten erhöhen, was uns zu der Tatsache zurückführt, dass es nur eine einzige Anlageklasse gibt: Volatilität!

Damit stellt sich auch nur eine Frage für den Anleger, Long Volatilität oder Short Volatilität. Näheres zu dem Thema findet man in den Artikeln Fragilität 1, 2 und 3.

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10 Gedanken zu “Wo bitte ist der Notausgang?

  1. dank dir …

    ps.: wuensche den lesern noch ein entspannendes Wochenende, die naechste Woche wird spannend, da braucht man ausgeruhte nerven

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  2. Die Frage wird sein, ob diese Probleme in der Größenordnung im Hintergrund nun einen Einfluss auf das FED haben werden. Frau Yellen könnte sich evtl. gezwungen sehen die Erwartungen des Marktes nochmals nicht zu erfüllen. Der Termin wird wohl wirklich das Ereignis des Jahres, gerade auch der Erklärung an sich, egal ob die Zinsen am Ende gestiegen sind oder nicht.

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  3. hab ne weitere SEC regel gefunden nachdem MM Funds schließen, wenn 30% ihrer assets illiquide werden …. da könnt die wahre bombe schlummern … 10 tage lang duerfen sie maximal dicht machen innerhalb einer 90 tage Periode

    und im kleingedruckten aller Fonds steht was lustiges heut via Bloomberg hinzu gelernt, wenn die assets nicht liquidierbar sind auf absehbare zeit, dann kann es passieren das fonds investoren anstatt ihr Geld eben die gehaltenen Anteile bekommen und sie selber liquidieren muessen …

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  4. jop, hast auf einmal verbriefte bank loans da liegen gewuerzt mit exotischen anleihen von irgendwelchen mini Ölförderern, fein abgeschmeckt mit illiquiden IG bonds und als beilage gibt es dazu noch EM Debt oben drauf …

    also das wegen Liquidierung betrifft jegliche art von Fonds, das der geneigte kunde auf einmal was anderes als bares bekommt, jedenfalls in den usa

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  5. Am 29.01 hast du geschrieben: „…Unbedingt zu meiden sind Anleihen von den Emerging Markets, wie auch die High Yield Corporated Bonds. Nicht nur aufgrund eines erhöhten Ausfallrisikos sind sie zu meiden, nein, das Risiko hier liegt zum einen im aktuellen Preis Niveau und zum anderen in der mangelnden Liquidität…“

    Heute würden die Investoren sich freuen, eine deutsche Staatsanleihe mit Minusrendite im Depot zu haben. 😉

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  6. Pingback: zero2one-inside-hps

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