Der Weg zurück – Eine Welt ohne QE?

Je mehr Nachrichten aus dem Finanzsektor man heute liest, desto eher muss man sich ja fragen, ob die QE-Programme Konsequenzen mit sich bringen, die den Machern der Programme auf die Füße fallen werden. Einige der Auswirkungen wurden in älteren Artikeln dieses Blogs schon thematisiert. Es lohnt sich, auf drei nochmals einzugehen.

Sinkende Liquidität im Bondmarkt
Immer mehr Banken stampfen ihren Bondhandel in den Boden, da einfach immer weniger zu verteilen ist. Erst vor einigen Tagen kündigte Morgan Stanley an, die eigene Fixed Income Abteilung innerhalb der nächsten zwei Wochen zu verkleinern. Dadurch werden zum einen die Handelsergebnisse in den Banken sinken und zusätzlich steigt die Anfälligkeit des Bondmarktes für starke Verwerfungen.
Versicherer haben so lange kein Thema, wie es nicht gehäuft zu Kündigungen von Kapitalverträgen kommt, denn erst dann würde die Liquidität ein echtes Problem darstellen. Die Versicherer würden quasi riesige Verkaufswellen in den Bondmärkten verursachen, um Gelder freizubekommen. Daher wären nur die Verträge noch sicher, die am Anfang gekündigt würden.

Fehlende Zinsstruktur
Den meisten Banken gelingt es immer weniger, positive Ergebnisse aus Fristentransformation (maturity transformation) zu generieren. Dieses Geschäft gehörte allerdings zu den Banken, wie das Brötchen backen zu einem Bäcker.

Tiefes absolutes Zinsniveau
Die Margen im Kreditgeschäft in Tiefzinsphasen sind üblicherweise ebenfalls schwächer, als in Hochzinsphasen.
Versicherer schaffen es nicht mehr, den Garantiezins zu erzielen. Dabei muss man nicht mal mehr auf die Altverträge mit einer 4 vor dem Komma schauen, auch die „jüngeren“ Garantieniveaus sind nur schwer erzielbar.

Folge:
Die Versicherer haben nur noch wenige Chancen ihre Zielrenditen zu erreichen. Dieses kann de facto nur durch Durationsverlängerung, also einer Risikoausweitung gelingen.
Die Duration beschreibt die Laufzeit eines Festverzinslichen Wertpapiers. Um so länger die Laufzeit der Anleihe ist, desto höher ist das damit verbundene Kursrisiko, wie schon im Artikel Fragilität von ORB beschrieben wurde.

Eine Durationsausweitung der großen Kapitalsammelstellen in Deutschland, wird früher oder später dazu führen, dass ein Knick in der Fälligkeitsstruktur auftritt. Denn nach 2008 wurde damit begonnen, die Duration auszuweiten. Das bedeutet dann auch, dass die Versicherer in diesem Knick, nicht mehr im gleichen historischen Umfang die neuen Emissionen des Staates abnehmen werden. Solch ein Umstand kann dramatische Auswirkungen auf die Renditen haben. Gleichzeitig werden immer mehr Immobilien, Infrastrukturprojekte und Aktien aufgenommen. Diese Geschäfte haben keine „Laufzeit“ in dem Sinne und sind mit Ausnahme der Aktie auch nicht sofort liquidierbar.

Für die Banken (gerade hier in Deutschland) bedeutet das aktuelle Umfeld eine Suche nach neuen Geschäftsfeldern. Da es aktuell enorm schwierig ist, nach oben (also in die globale Welt) zu wachsen, wird man nach „unten“ wachsen müssen. Man wird in Geschäftsbereiche vorstoßen, in denen aktuell eher die genossenschaftlichen Banken und die Sparkassen zu finden sind. Diese Situation wird die Margen für alle Teilnehmer weiter drücken.

Tatsache ist: Die Staatsentlastung durch die Notenbanken ist in meinen Augen ein voller Erfolg, aber alles hat seine zwei Seiten und die nächste Bankenkrise (die diesen Namen verdient haben wird) ist nur noch ein Steinwurf von heute entfernt – jedenfalls wenn wir dieses „verbogene Umfeld“ an den Märkten, nicht wieder normalisieren. Dass dieses schwer wird, dürfte jedem klar sein. Der Kapitalmarkt verhält sich nunmal wie ein Junky. Der mit Lehmann zunächst einsetzende kalte Entzug wurde nicht zugelassen. Stattdessen gab es billige Ersatzdrogen in übermäßiger Dosierung.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s