Bistr-O-Mathik

Wenn das Unwahrscheinliche wahrscheinlich und das Wahrscheinliche unwahrscheinlich wird ist die Zeit von Gamma gekommen. Das Kreuzfahrtschiff Corporate Bonds ist Leck geschlagen: When the ship is sinking, don´t pray. Jump! Die Besatzung hielt sich an die Weisheit und hat das Schiff längst verlassen. Sie fährt mit den Rettungsboten von dannen, während die Passagiere die drohende Katastrophe noch nicht erahnen.

Die Primary Dealer sind dabei ihre US Treasury und Corporate Bond Bestände radikal zu verkleinern, um sich so vor der drohenden Zinswende zu schützen. Diese Maßnahmen verringern jedoch auch extrem die Liquidität der Anleihen Märkte.

Die Bestände der Primary Dealer sind hier bei der New Yorker FED einzusehen und sehen folgender Maßen aus.

US Treasury

Primary Dealer Stat US Treasuries

Corporate Bonds Investment Grade

Primary Dealer Stat IG

Corporate Bonds High Yield

Primary Dealer Stat Corporate HY

Man möchte meinen es wird alles abgestoßen, bevor der Rest der Anleger mitbekommt, welches Spiel gespielt wird. Der Bestand von Corporate Investment Grade Bonds ist insgesamt Netto Short. Die Bestände in den Laufzeiten verteilen sich wie folgt:

10 Jahre und länger: -1,252 Mrd. USD
5 bis 10 Jahre: -3,124 Mrd. USD
1 bis 5 Jahre: +2,994 Mrd. USD
0 bis 1 Jahr: +1,528 Mrd. USD

Insgesamt beträgt die Größe der Netto Short Positionen über alle Laufzeiten -146 Mio. USD. Bei den High Yield Anleihen sieht es wie folgt aus:

10 Jahre und Länger +0,855 Mrd. USD
5 bis 10 Jahre -1,908 Mrd. USD
1 bis 5 Jahre +0,76 Mrd. USD
0 bis 1 Jahr +0,601 Mrd. USD

Das stellt eine gesamt Netto Long Positionen von 308 Mio. USD dar.

Jetzt kommen wir zum interessanten Teil: ETF´s und die SEC.

Im Oktober flossen allein in die ETF´s iShares IBOXX High Yield (HYG), SPDR Barclay High Yield Bond (JNK) und iShares IBOXX Investment Grade (LQD) 7,7 Mrd. USD, im gleichen Zeitraum floss aus den größten ETF´s, die auf den SPX laufen, 1,05 Mrd. USD ab. Hier macht sich wieder die falsche Annahme bemerkbar, dass Anleihen und Aktien negative zueinander korrelieren. Während die Prime Dealer ihre Bestände an Anleihen in einem rasanten Tempo abbauen, macht die Investoren Gemeinde genau das Gegenteil.

Ich denke das ist in dem Fall keine gute Idee, denn sollten die Investoren aussteigen wollen, werden sie keinen liquiden Markt vorfinden und in einer Falle sitzen. Diese Falle kann in kürzester Zeit zu einer Gamma Bombe mutieren. Man muss sich an dieser Stelle einfach nur vor Augen führen, dass der iShares IBOXX High Yield ETF allein über 15,7 Mrd. Assets Under Management verfügt und der iShares IBOXX Investment Grade ETF sogar über 23,93 Mrd. USD AUM.

Die Gamma Bombe

Ein jeder an der Börse kennt das Problem, wenn die Masse versucht auszusteigen. In einem solchen Moment wird alles was das Risiko im Portfolio treibt abgestoßen. Nach und nach werden Risiko Schwellen gebrochen und immer mehr sind gezwungen zu jedweden Preis auszusteigen. Ein herrliches Beispiel für diesen Effekt war 1987 aber auch der Flashcrash im Mai 2010 entstand auf diese Weise. Ein solches Muster kommt nicht nur auf den Aktienmärkten vor, sondern auch in den Anleihe Märkten.

Sollte sich durch irgendein Ereignis das Zinsniveau normalisieren sind die Verluste bei den langlaufenden Anleihen immens, wie auch im High Yield Bereich. Eine Veränderung beim Zins um 3% wie in den Jahren 1979 und 1980 geschehen würde bei den „safe haven“ Anlagen wie langlaufende Staatsanleihen einen Verlust von ca. 20% ausmachen.

Hier wird es interessant, die Frage lautet: Wie viel Verlust die Investoren tolerieren können bevor sie versuchen werden auszusteigen.

LQD

LQD Volumen Profil 10.11.15

HYG

HYG Volumen Profil 101115

Beide Charts sehen nicht gerade attraktiv aus für die Bullen. Sollte in LQD die obere Range verlassen werden, denke ich, ist die Zeit gekommen, in der die ersten Investoren nervös die Reißleine ziehen.

Der Durchschnittspreis der in 2015 gezahlt wurde liegt im LQD bei ca. 115,84 USD per Share, im HYG bei 90,8 USD per Share und eine weitere Volumen Nase liegt bei ca. 85,66 USD. Es wird interessant wie weit sich der Markt von den Durchschnittspreisen entfernen kann bevor es brenzlig wird und die Schein Liquidität ihre Wirkung entfaltet. Im September diesen Jahres war ein solcher Punkt im HYG ja schon fast erreicht und konnte gerade noch abgewendet werden.

Um der Gefahr einer „Gamma Bombe“ vorzubeugen hat die SEC im September beschlossen, dass die ETF´s, wie auch die Mutual Funds, sich auf ein negativ Szenario einzustellen haben und dazu zusätzliche Regeln erlassen. Nun ist es vorgeschrieben, dass 85% ihrer Assets daran ausgesucht werden müssen, dass sie binnen 7 Tagen liquidierbar sind, ohne den Markt zu beeinflussen. Diese neue Regelung ist gut gemeint, doch aufgrund der Scheinliquidität recht utopisch.

Quellen:

http://www.newyorkfed.org

http://www.etf.com/

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3 Gedanken zu “Bistr-O-Mathik

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