Fragilität II.

Fortsetzung von Teil I.

Interessante Beobachtungen

Die Annahme, dass sich Aktien zu Rententiteln entgegengesetzt verhalten, also negativ korrelieren ist falsch. In der Untersuchung von Artemis, die sich auf den Zeitraum 1883 bis 2015 bezieht, bewegten sie sich in 30% der Zeit im Gleichlauf. Nur in 11% der Zeit verhielten sie sich zueinander so wie die vorherrschende Annahme es vermuten lässt. In den 1970er, 1950er, 1940er Jahren und zwischen den Jahren 1906 und 1909 liefen Aktien und Rententitel im Tandem. Die historisch schlimmste Phase für ein aus 60 % Aktien und 40% Anleihen bestehendem Portfolio war 1906 bis 1909. In dieser Zeit verlor ein solches Portfolio in der Spitze 67%, hierbei ist von einem Portfolio ausgegangen worden, dass nicht gehebelt worden war.

Eine weitere Beobachtung konnten wir in diesem Jahr machen. Wir erlebten innerhalb diesen Jahres einige Sigma Ereignisse in den Anleihe Märkten, auch der Franken Schock am Anfang des Jahres war so ein extremes Sigma Ereignis. Im VIX z.B. kam es im Juli zu einem 6,1 Sigma Ereignis, im August zu einem wahnsinnigen 18,52 Sigma, hierbei stieg der VIX explosiv um über 218% an, wobei der Tagesverlust des SP500 recht mild war mit um die 3% Minus. Direkt im Anschluss fiel der VIX auch wieder an einem Tag um 36% was nochmals ein 5,5 Sigma Ereignis darstellte. Ein solches Verhalten und die Häufung von unwahrscheinlichen Ereignissen deutet darauf hin, dass die Märkte insgesamt wesentlich fragiler sind als jemals zuvor.

Die Fragilität im VIX wird ausgelöst durch die darauf laufenden ETP´s. Durch die ETP´s wird hier eine positive Rückkopplungsschleife verursacht, die selbst verstärkend wirkt. Dadurch entsteht das Problem bei den ETP´s, dass sie versuchen ein nicht lineares Risiko, linear zu hedgen. Denn durch die positive Rückkopplungsschleife entsteht hier ein großes Gamma. Eine solche Gamma Funktion ist auch in den Bereichen der High Yield ETF´s und Dividenden ETF´s entstanden und in vielen weiteren. Eine gewisse Vorstellung, wie dieses Gamma wirkt, konnten wir im August erfahren, worüber hier im Blog auch geschrieben wurde, Black Swan Meets ETFs und Black Monday? Nein, Sick Monday! .

Die Gamma Bombe

Ein jeder an der Börse kennt das Problem, wenn die Masse versucht auszusteigen. In einem solchen Moment wird alles was das Risiko im Portfolio treibt abgestoßen. Nach und nach werden Risiko Schwellen gebrochen und immer mehr sind gezwungen zu jedweden Preis auszusteigen. Ein herrliches Beispiel für diesen Effekt war 1987 aber auch der Flashcrash im Mai 2010 entstand auf diese Weise. Ein solches Muster kommt nicht nur auf den Aktienmärkten vor, sondern auch in den Anleihe Märkten.

Sollte sich durch irgendein Ereignis das Zinsniveau normalisieren sind die Verluste bei den langlaufenden Anleihen immens, wie auch im High Yield Bereich. Eine Veränderung beim Zins um 3% wie in den Jahren 1979 und 1980 geschehen würde bei den „safe haven“ Anlagen wie langlaufende Staatsanleihen einen Verlust von ca. 20% ausmachen.

Hierbei kommen nun die Risk Parity Fonds ins Spiel, die Weltweit ca. 1,4 Billionen Assets beinhalten und auf der falschen Annahme beruhen, das Aktien zu Anleihen eine negative Korrelation aufweisen. Schon allein ein Anstieg von nur einem halben Prozent bei den Renditen könnte sie in eine kritische Lage versetzen, aufgrund der eingesetzten Hebel in dem Bereich.

In dem Moment, in dem alle anfangen müssen Positionen abzubauen kommt auch hier das Gamma ins Spiel. Gamma bedeutet in dem Fall, dass sich aufgrund der positive Rückkopplungsschleife die Marktbewegungen immer weiter ausdehnen werden, wie 1987 geschehen und auch im Mai 2010. In beiden Fällen verstärkte jede Abwärtsbewegung in den Indizes und Aktien die darauffolgende Bewegung um x Prozentpunkte. Diese Fragilität wird sich nicht stärkend auf die Fonds ausüben, da sie eine Short Volatilität Strategie fahren. Die Wahrscheinlichkeit auf ein Tail Risk Event bei diesen Risk Parity Fonds liegt bei ungefähr 2%.

Wie ich schon aufgezeigt habe in den Artikeln Black Swan Meets ETFs und Black Monday? Nein, Sick Monday! kann sich der Markt auch aufgrund der Schein Liquidität abrupt in eine Richtung bewegen. Viele Marktteilnehmer waren an dem Montag mehr als nur überrascht, als sie nach dem Open bei KKR -39% sahen oder bei den ETFs welche, wie den iShares Select Dividend ETF, mit -36%. Dass sind die Auswirkungen der noch schlummernden Gamma Bombe. Wie zuvor schon angesprochen verhielt sich der VIX genauso verrückt. Die Bondmärkte können ebenfalls aufgrund der Scheinliquidität heftig reagieren.

Diese Umstände führen leider zu einer extremen Fragilität, durch die am Ende ein Schwarzer Schwan entstehen kann, der über Nacht das gesamte Risk Parity Universum auslöscht. Einen möglichen Auslöser habe ich schon in dem Beitrag Schach und Matt  beschrieben. Doch nicht nur das Risk Parity Universum ist dann befallen, sondern höchstwahrscheinlich alle Bereiche von den Geldmarkt Fonds an bis hin in den letzten Winkel des Anlage Universums.

Fortsetzung folgt.

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7 Gedanken zu “Fragilität II.

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